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24 Stunden Pflege ohne Agentur: Kosten und Pflichten 2026

Viele Familien wollen die Betreuung eines Angehörigen selbst in die Hand nehmen, um Kosten zu kontrollieren und die passende Person persönlich auszuwählen. Eine 24-Stunden-Pflege ohne Agentur ist legal möglich, wenn Sie die Betreuungskraft direkt anstellen und damit alle Arbeitgeberpflichten übernehmen: Vertrag, Anmeldung zur Sozialversicherung, Lohnabrechnung, Mindestlohn und Arbeitszeitgesetz. Eine Rund-um-die-Uhr-Arbeit durch eine einzelne Person ist dabei nicht erlaubt.

Eine Betreuungsperson sitzt neben einer älteren Person in deren Wohnzimmer.

Die häusliche Betreuung im eigenen Zuhause gibt Pflegebedürftigen Sicherheit und vertraute Abläufe. Wer sich über Pflegekräfte aus Polen informieren möchte, kann verschiedene Betreuungsmodelle und Angebote vergleichen. Wer die 24-Stunden-Betreuung ohne Agentur plant, spart Vermittlungsgebühren, trägt aber mehr Verantwortung für Recht, Organisation und Vertretung.

Mit den folgenden Informationen können Sie einschätzen, welches Modell zu Ihrer Familie passt, welche Kostenfaktoren Sie einplanen müssen und wie Sie eine geeignete Betreuungskraft erkennen. Wenn Sie danach Fragen zu Ihrer Situation haben, nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf und lassen Sie sich persönlich beraten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohne Agentur werden Sie meist Arbeitgeber und tragen alle rechtlichen Pflichten selbst.
  • Mindestlohn, Bereitschaft, Abgaben und Vertretung bestimmen die tatsächlichen Kosten.
  • Pflegegeld und weitere Leistungen der Pflegekasse decken nur einen Teil der Ausgaben.

Welche Beschäftigungsmodelle kommen ohne Vermittlung infrage?

Eine Pflegekraft bespricht mit einer älteren Person und einem Angehörigen die häusliche Betreuung.

Ohne Vermittlungsagentur stehen Ihnen drei Beschäftigungsmodelle offen: die Direktanstellung, der Vertrag mit einer selbstständigen Betreuungskraft und eine direkt vereinbarte Entsendung. Rechtlich am klarsten ist die Direktanstellung, beim Selbstständigenmodell ist das Risiko am höchsten.

Direktanstellung: Wann wird die Familie zum Arbeitgeber?

Sobald Sie eine Betreuungskraft selbst einstellen und ihr Arbeitszeiten und Aufgaben vorgeben, sind Sie Arbeitgeber. Das gilt für deutsche Kräfte genauso wie für eine Pflegekraft aus Polen. Arbeitgeber kann die pflegebedürftige Person selbst sein oder ein Angehöriger.

Beim Arbeitgebermodell gilt deutsches Arbeitsrecht vollständig. Sie schließen den Arbeitsvertrag, melden die Kraft an und zahlen Lohn sowie Beiträge. Die einzelnen Schritte der privaten Anstellung finden Sie ausführlich in unserem Beitrag zur legalen Beschäftigung ausländischer Betreuungskräfte.

Der Vorteil: Sie wählen die Person selbst und haben direkten Einfluss auf die Zusammenarbeit. Der Nachteil: Bei Krankheit oder Urlaub müssen Sie selbst für Ersatz sorgen.

Selbstständige Betreuungskraft: Warum entscheidet die tatsächliche Zusammenarbeit?

Eine selbstständige Betreuungskraft arbeitet auf eigene Rechnung, mit eigenem Gewerbe und eigener Versicherung. Entscheidend ist, wie die Arbeit im Alltag aussieht, egal was im Vertrag steht.

Lebt die Kraft in Ihrem Haushalt, folgt festen Zeiten und hat nur Sie als Auftraggeber, spricht vieles für eine abhängige Beschäftigung. Das Gesundheitsportal des Bundes stuft das Selbstständigenmodell deshalb als rechtlich bedenklich wegen der Gefahr der Scheinselbstständigkeit ein. Hohe Nachzahlungen sind möglich.

Typische Warnzeichen einer Scheinselbstständigkeit:

  • Sie legen Arbeitszeiten und Aufgaben im Detail fest.
  • Die Kraft arbeitet nur für einen einzigen Haushalt.
  • Sie stellt keine eigenen Rechnungen und trägt kein unternehmerisches Risiko.
  • Sie wohnt dauerhaft bei Ihnen und ist in den Haushalt eingebunden.

Entsendung direkt vereinbaren: Welche Rolle hat das ausländische Unternehmen?

Beim Entsendemodell ist die Betreuungskraft bei einem Unternehmen in ihrem Heimatland angestellt, zum Beispiel in Polen. Dieses Unternehmen ist Arbeitgeber, zahlt Lohn und Sozialversicherung im Heimatland und schickt die Kraft für einen begrenzten Zeitraum zu Ihnen.

Sie können einen solchen Vertrag direkt mit dem ausländischen Unternehmen schließen, ohne deutsche Vermittlungsagentur dazwischen. Dann prüfen Sie selbst, ob die A1-Bescheinigung vorliegt und ob Mindestlohn und Arbeitszeitregeln eingehalten werden. Auch die Entsendung muss mit deutschem Recht in Einklang stehen.

Welche Betreuung lässt sich im eigenen Haushalt abdecken?

Eine Betreuungsperson sitzt mit einer älteren Frau am Tisch in deren Zuhause.

Eine im Haushalt lebende Betreuungskraft übernimmt Hauswirtschaft, Alltagsbegleitung und Grundpflege, aber keine medizinische Behandlungspflege. Der Begriff 24-Stunden-Pflege beschreibt die Wohnform, also die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft, und keine Arbeit rund um die Uhr.

Hauswirtschaft, Alltagsbegleitung und Unterstützung bei der Körperpflege

Eine 24-Stunden-Betreuungskraft ohne Pflegeausbildung unterstützt in diesen Bereichen:

Bereich Typische Aufgaben
Hauswirtschaft Kochen, Putzen, Wäsche, Einkaufen
Grundpflege Hilfe beim Waschen, Ankleiden, Toilettengang, Essen
Alltagsbegleitung Gespräche, Spaziergänge, Begleitung zum Arzt
Tagesstruktur Erinnerung an Mahlzeiten und Termine

Die Grenze zwischen reiner Haushaltshilfe und Pflege ist für Vertrag und Kosten wichtig. Die Unterschiede erklärt unser Vergleich von Haushaltshilfe und Pflegekraft.

Wann braucht es zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst?

Ein ambulanter Pflegedienst ist nötig, sobald Behandlungspflege anfällt. Dazu zählen Wundversorgung, Spritzen, das Verabreichen von Medikamenten und das Anlegen von Kompressionsstrümpfen.

Diese Aufgaben dürfen nur Fachkräfte mit in Deutschland anerkannter Ausbildung übernehmen. Der Arzt verordnet sie, die Krankenkasse bezahlt sie. Planen Sie den Pflegedienst also von Anfang an als festen Baustein der häuslichen Pflege ein.

Warum eine im Haushalt lebende Person keine durchgehende Arbeitsleistung erbringen kann

Auch für eine Betreuungskraft, die bei Ihnen wohnt, gilt das Arbeitszeitgesetz. Sie darf durchschnittlich höchstens 8 Stunden täglich arbeiten, mit Pausen, Ruhezeiten und freien Tagen.

Dass die Kraft im Haus ist, heißt also nicht, dass sie ständig zur Verfügung steht. Wer mehr Betreuungszeit braucht, kombiniert die Live-in-Kraft mit Angehörigen, Tagespflege oder einem Pflegedienst. Welche Bedingungen Ihr Haushalt dafür erfüllen sollte, zeigen die Voraussetzungen der 24-Stunden-Pflege.

Wie verändern Demenz und nächtlicher Hilfebedarf die Planung?

Bei Demenz steigt der Bedarf an Aufsicht, Geduld und Fachwissen deutlich. Ungelernte Kräfte sind im Umgang mit herausforderndem Verhalten meist nicht geschult, und häufige Wechsel verunsichern Menschen mit Demenz zusätzlich.

Muss jemand nachts mehrmals aufstehen, zählt diese Zeit arbeitsrechtlich mit. Bei fortgeschrittener Demenz oder regelmäßiger Unruhe in der Nacht reicht eine einzelne Kraft nicht aus. Dann brauchen Sie eine zweite Person, einen Nachtdienst oder eine Tagespflege zur Entlastung.

Welche rechtlichen und organisatorischen Pflichten übernehmen Familien?

Wenn Sie eine Pflegekraft privat einstellen, übernehmen Sie dieselben Pflichten wie jeder andere Arbeitgeber in Deutschland. Fehler bei Arbeitszeit oder Anmeldung führen schnell zu Nachzahlungen, die meist die Familie trägt.

Verträge, Anmeldung und Abrechnung: Verantwortlichkeiten vor Beginn klären

Klären Sie vor dem ersten Arbeitstag schriftlich, wer was übernimmt. Bei der Direktanstellung gehören dazu:

  1. ein schriftlicher Arbeitsvertrag mit Aufgaben, Arbeitszeit, Lohn und Urlaub
  2. eine Betriebsnummer bei der Bundesagentur für Arbeit
  3. die Anmeldung bei der Krankenkasse der Betreuungskraft
  4. die gesetzliche Unfallversicherung über die zuständige Unfallkasse
  5. eine monatliche Lohnabrechnung mit Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen

Viele Familien geben die Lohnabrechnung an ein Steuerbüro ab. Die Verantwortung bleibt trotzdem bei Ihnen. Bei einem Pflegevertrag mit einer Selbstständigen oder einem Entsendeunternehmen sollten Leistungen, Preise und Kündigungsfristen ebenfalls klar geregelt sein.

Arbeitszeit, Bereitschaft und Erholung rechtssicher berücksichtigen

Bereitschaftszeit ist Arbeitszeit und muss mit dem Mindestlohn bezahlt werden. Das Bundesarbeitsgericht hat das mit Urteil vom 24.06.2021 (5 AZR 505/20) für eine Betreuungskraft im Privathaushalt bestätigt.

Legen Sie deshalb im Vertrag fest, wann die Kraft arbeitet und wann sie wirklich frei hat. Die Kraft braucht ein eigenes Zimmer, ungestörte Nachtruhe und mindestens einen freien Tag pro Woche. Dazu kommt der gesetzliche Urlaubsanspruch von mindestens 20 Arbeitstagen bei einer Fünftagewoche. Führen Sie Stundenzettel, damit Sie die Arbeitszeit belegen können.

A1-Bescheinigung und Sozialversicherung passend zum Modell prüfen

Welche Sozialversicherung gilt, hängt vom Modell ab:

Modell Sozialversicherung A1-Bescheinigung
Direktanstellung in Deutschland nicht nötig
Entsendung im Heimatland zwingend erforderlich
Selbstständige Kraft aus dem EU-Ausland meist im Heimatland erforderlich

Lassen Sie sich die A1-Bescheinigung bei Entsendung und Selbstständigkeit vor Arbeitsbeginn vorlegen. Sie belegt, dass die Kraft im Heimatland versichert ist. Fehlt sie, kann die deutsche Sozialversicherung Beiträge von Ihnen nachfordern.

Schwarzarbeit und Scheinselbstständigkeit vermeiden

Schwarzarbeit liegt vor, wenn eine Kraft ohne Anmeldung und ohne Abgaben bei Ihnen arbeitet. Das ist eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit, und bei einem Unfall fehlt jeder Versicherungsschutz.

Bei einer Selbstständigen reicht die Gewerbeanmeldung allein nicht als Absicherung. Wenn Sie unsicher sind, beantragen Sie ein Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung. Das Ergebnis schafft Klarheit, bevor hohe Nachforderungen entstehen. Die Verbraucherzentrale beschreibt die legalen Wege für ausländische Betreuungskräfte ebenfalls ausführlich.

Was kostet die selbst organisierte Betreuung tatsächlich?

Die selbst organisierte Betreuung kostet monatlich einen mittleren vierstelligen Betrag, weil Mindestlohn, Sozialabgaben, Unterkunft und Vertretung zusammenkommen. Die Diakonie rechnet beim Arbeitgebermodell mit ca. 2.700 Euro monatlich zuzüglich Kost und Logis. Ihre persönlichen Kosten hängen stark von Stunden und Bedarf ab.

Vergütung, Mindestlohn und bezahlte Bereitschaft kalkulieren

Seit Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro brutto pro Stunde. Er gilt für jede Arbeitsstunde, auch für Bereitschaft. Kost und Logis dürfen nur in engen Grenzen angerechnet werden.

So rechnen Sie Ihre Vergütung:

  • Zählen Sie alle Stunden aktiver Arbeit pro Woche.
  • Rechnen Sie Bereitschaftszeiten vollständig dazu.
  • Multiplizieren Sie die Summe mit dem vereinbarten Stundenlohn.
  • Planen Sie Zuschläge ein, falls Sie solche vertraglich vereinbaren.

Je mehr Stunden Sie brauchen, desto deutlicher steigen die Kosten einer polnischen Pflegekraft. Die Herkunft der Kraft spielt dafür keine Rolle. In- und ausländische Kräfte sind bei gleichen Stunden gleich teuer.

Welche Nebenkosten entstehen durch Abgaben, Unterkunft und Organisation?

Zum Bruttolohn kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, die Unfallversicherung und Umlagen hinzu. Steuern und Sozialabgaben machen damit einen spürbaren Aufschlag auf den Lohn aus.

Weitere Posten im Haushaltsbudget:

  • Verpflegung und höhere Ausgaben für Strom, Wasser und Heizung
  • ein möbliertes eigenes Zimmer, eventuell Internet
  • Reisekosten bei An- und Abreise
  • Lohnbüro oder Steuerberatung für die Abrechnung

Eine ausführliche Übersicht zu Preisen und Gehältern bietet unser Beitrag zu den Kosten der 24-Stunden-Betreuung.

Vertretung und zusätzliche Pflegeleistungen im Gesamtbudget berücksichtigen

Wenn Ihre Kraft Urlaub hat oder krank ist, zahlen Sie den Lohn weiter. Gleichzeitig brauchen Sie eine Vertretung, die ebenfalls bezahlt werden muss. Für einige Wochen im Jahr fallen also doppelte Kosten an.

Dazu kommt ein ambulanter Pflegedienst, falls Behandlungspflege nötig ist oder die Grundpflege zu umfangreich wird. Rechnen Sie diese Posten von Anfang an in Ihr Jahresbudget ein.

Wann entfallen Vermittlungsgebühren, ohne dass die Gesamtkosten sinken?

Ohne Agentur sparen Sie die Vermittlungs- und Servicegebühr. Die privaten Betreuungskosten sinken dadurch aber nur, wenn Sie Abrechnung, Suche und Vertretung selbst schaffen.

Zahlen Sie für ein Lohnbüro, für Anzeigen und für kurzfristigen Ersatz, ist der Vorteil schnell aufgebraucht. Ihre eigene Arbeitszeit für die Organisation taucht in keiner Rechnung auf, kostet Sie aber Kraft.

Welche Leistungen und Entlastungen können die Finanzierung unterstützen?

Die Pflegeversicherung zahlt keine eigene Leistung für eine 24-Stunden-Betreuung, mehrere Leistungen senken aber Ihren Eigenanteil. Voraussetzung ist fast immer ein anerkannter Pflegegrad.

Wie lässt sich Pflegegeld je nach Pflegegrad einsetzen?

Pflegegeld wird monatlich an die pflegebedürftige Person ausgezahlt. Sie kann frei entscheiden, wofür sie es verwendet, also auch für den Lohn einer privat angestellten Kraft.

Pflegegrad Pflegegeld pro Monat 2026
2 347 €
3 599 €
4 800 €
5 990 €

Nutzen Sie zusätzlich einen Pflegedienst über Sachleistungen, sinkt das Pflegegeld anteilig. Welche Zuschüsse sonst noch infrage kommen, zeigt unser Beitrag dazu, was die Pflegekasse für eine polnische Pflegekraft übernimmt.

Wann kommt der gemeinsame Jahresbetrag für Ersatzpflege infrage?

Seit Juli 2025 gibt es einen gemeinsamen Jahresbetrag für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege von bis zu 3.539 Euro pro Kalenderjahr. Er gilt ab Pflegegrad 2, eine Vorpflegezeit ist nicht mehr nötig.

Sie können das Geld nutzen, wenn die übliche Pflegeperson ausfällt. Ob die Pflegekasse eine privat angestellte Live-in-Kraft als Pflegeperson anerkennt, sollten Sie vorher mit Ihrer Kasse klären. Lassen Sie sich die Bedingungen schriftlich bestätigen.

Warum der Entlastungsbetrag nicht jede private Betreuung finanziert

Der Entlastungsbetrag liegt bei 131 Euro im Monat, schon ab Pflegegrad 1. Er ist zweckgebunden und wird nur für anerkannte Angebote erstattet, zum Beispiel zugelassene Alltagshelfer oder Pflegedienste.

Den Lohn einer privat angestellten Betreuungskraft können Sie damit in der Regel nicht bezahlen. Nutzen Sie den Betrag stattdessen für ergänzende Hilfe, etwa einen anerkannten Betreuungsdienst an einzelnen Tagen.

Welche steuerliche Entlastung ist für haushaltsnahe Dienstleistungen möglich?

Für ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis im Haushalt können Sie nach § 35a EStG 20 Prozent der Kosten von der Steuer abziehen, höchstens 4.000 Euro im Jahr. Das gilt für haushaltsnahe Dienstleistungen und Pflege- und Betreuungsleistungen zusammen.

Bewahren Sie Lohnabrechnungen und Kontoauszüge auf. Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an. Eine kostenlose Pflegeberatung nach § 7a SGB XI hilft Ihnen außerdem, alle Ansprüche gegenüber der Pflegekasse vollständig zu nutzen.

Wie finden und prüfen Sie eine passende Betreuungskraft?

Eine passende Betreuungskraft finden Sie über Empfehlungen, Anzeigen und Portale, prüfen müssen Sie Erfahrung, Sprache und Referenzen aber selbst. Ohne Agentur gibt es niemanden, der die Kandidatinnen vorab auswählt.

Welche Suchwege bieten Empfehlungen, Stellenanzeigen und Kontaktportale?

Diese Wege nutzen Familien am häufigsten, um eine Betreuungskraft ohne Agentur zu finden:

  • Empfehlungen von Bekannten, Nachbarn oder anderen Familien mit Live-in-Betreuung
  • Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen, auch auf Polnisch
  • Kontaktportale, auf denen Betreuungskräfte ihr Profil veröffentlichen
  • die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit für Stellen in Deutschland

Weitere Tipps für die Suche in Polen gibt unser Ratgeber, wie Sie Betreuerinnen aus Polen mit passender Unterstützung finden.

Erfahrung, Sprachkenntnisse und Referenzen gezielt prüfen

Fragen Sie konkret nach früheren Einsätzen: Wie lange, mit welchem Pflegegrad, mit oder ohne Demenz? Lassen Sie sich Kontaktdaten früherer Familien geben und rufen Sie dort an.

Testen Sie die Sprachkenntnisse in einem Videogespräch. Ihr Angehöriger sollte sich mit der Kraft über Schmerzen, Wünsche und Ängste verständigen können. Zertifikate über Pflegekurse sind ein Plus, ersetzen aber keine praktische Erfahrung.

Aufgaben, Wohnbedingungen und persönliche Erwartungen im Gespräch abgleichen

Beschreiben Sie im Gespräch offen, wie ein normaler Tag aussieht. Nennen Sie die Aufgaben, die Nächte und die Zeiten, in denen die Kraft frei hat.

Zeigen Sie das Zimmer, nennen Sie den Lohn und klären Sie Fragen wie Rauchen, Haustiere oder Internet. Auch die Erwartungen der Betreuungskraft zählen: Wie lange möchte sie bleiben, wie oft nach Hause fahren? Gute individuelle Betreuung entsteht, wenn beide Seiten realistische Erwartungen haben.

Welche Warnsignale sprechen gegen ein Angebot?

Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen eines dieser Merkmale begegnet:

  • Die Person verlangt Barzahlung ohne Vertrag.
  • Sie bietet Arbeit „rund um die Uhr“ an.
  • Sie lehnt eine Anmeldung oder eine A1-Bescheinigung ab.
  • Sie macht widersprüchliche Angaben zu Erfahrung oder Referenzen.
  • Der Preis liegt deutlich unter dem, was Mindestlohn und Abgaben erlauben.

Solche Angebote führen fast immer in Schwarzarbeit oder Scheinselbstständigkeit.

Wie sichern Sie den Alltag und mögliche Ausfälle ab?

Klare Absprachen und ein fester Vertretungsplan halten die häusliche Betreuung stabil. Ohne Agentur organisieren Sie Übergaben, Ersatz und Konfliktlösung selbst.

Aufgabenplan, Übergaben und feste Ansprechpartner vereinbaren

Schreiben Sie einen Wochenplan mit Aufgaben, Arbeitszeiten und freien Zeiten. Hängen Sie wichtige Infos sichtbar auf: Telefonnummern von Arzt, Pflegedienst und Angehörigen, dazu einen Medikamentenplan.

Bestimmen Sie einen Angehörigen als festen Ansprechpartner. Bei einem Wechsel hilft ein kurzes Übergabeheft, in dem die alte Kraft Gewohnheiten, Vorlieben und Besonderheiten festhält. Wie Sie zusätzlich für Notfälle vorsorgen, beschreibt unser Beitrag zur sicheren Betreuung zu Hause.

Krankheit, Urlaub und Wechsel mit einer belastbaren Vertretungslösung abfangen

Ihre Betreuungskraft hat Anspruch auf Urlaub und wird irgendwann krank. Planen Sie deshalb schon vor dem Start, wer dann einspringt.

Mögliche Lösungen:

  • zwei Betreuungskräfte im Wechsel, zum Beispiel alle sechs bis acht Wochen
  • Angehörige, die feste Wochen übernehmen
  • Kurzzeitpflege in einer Einrichtung
  • ein ambulanter Pflegedienst für die Übergangszeit

Legen Sie Urlaubszeiten früh im Jahr fest und halten Sie eine Liste mit Ersatzkontakten bereit.

Beschwerden, Konflikte und veränderten Hilfebedarf frühzeitig besprechen

Setzen Sie sich regelmäßig zusammen, etwa einmal im Monat. Fragen Sie die Betreuungskraft, wie es ihr geht, und Ihren Angehörigen, ob er zufrieden ist.

Sprechen Sie Probleme sachlich und zeitnah an. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand, passen Sie Aufgaben und Stunden an. Beantragen Sie bei Bedarf eine Höherstufung des Pflegegrads, damit die Qualität der Pflege erhalten bleibt.

Wann passt Selbstorganisation und wann hilft eine Agentur?

Selbstorganisation passt zu Familien, die Zeit, Verwaltungserfahrung und ein Netzwerk für Vertretungen haben. Fehlt eines davon, bietet eine seriöse Agentur verlässliche Entlastung.

Zeit, Fachkenntnisse und Unterstützungsnetzwerk realistisch einschätzen

Beantworten Sie für sich diese Fragen ehrlich:

  • Haben Sie jede Woche Zeit für Abrechnung, Absprachen und Kontrolle?
  • Kennen Sie sich mit Arbeitsverträgen und Sozialversicherung aus?
  • Wohnen Angehörige in der Nähe, die kurzfristig helfen?
  • Können Sie eine Vertretung innerhalb weniger Tage organisieren?

Sagen Sie mehrmals nein, wird die Eigenorganisation schnell zur Dauerbelastung.

Eigenorganisation und Vermittlung anhand derselben Leistungen vergleichen

Vergleichen Sie die Modelle immer anhand gleicher Leistungen:

Kriterium Arbeitgebermodell ohne Agentur Entsendemodell mit Agentur
Arbeitgeberrolle Sie selbst ausländisches Unternehmen
Vermittlungsgebühr keine ja
Lohnabrechnung Ihre Aufgabe übernimmt der Arbeitgeber
Vertretung bei Ausfall selbst organisieren meist durch Anbieter
Rechtliches Risiko bei Ihnen geteilt, aber nicht null

Achten Sie bei Angeboten darauf, welche Kosten im Preis enthalten sind, etwa Reise, Versicherung oder Ersatzkraft.

Welche Unterstützung kann eine seriöse Agentur tatsächlich übernehmen?

Eine seriöse Agentur sucht passende Kräfte, prüft Unterlagen und organisiert Wechsel und Vertretungen. Bei der Vermittlung von Pflegekräften sollte sie Arbeitszeiten, A1-Bescheinigung und Kosten offen darlegen.

Die Stiftung Warentest hat 13 bundesweit tätige Vermittler untersucht und deutliche Unterschiede festgestellt. Fragen Sie daher genau nach Vertragsdetails. Auch Pflegekräfte aus Polen unterstützt Familien bei Auswahl und Organisation, wenn die eigene Zeit nicht reicht.

Selbst organisieren heißt Verantwortung und Versorgung gemeinsam planen

Eine Betreuungskraft ohne Agentur zu beschäftigen ist legal, wenn Sie die Arbeitgeberpflichten vollständig erfüllen. Am sichersten ist die Direktanstellung mit Vertrag, Anmeldung und sauberer Lohnabrechnung.

Planen Sie realistisch: höchstens acht Stunden Arbeit im Schnitt pro Tag, bezahlte Bereitschaft und feste Vertretungen. Behandlungspflege gehört in die Hände eines Pflegedienstes. Pflegegeld, der gemeinsame Jahresbetrag und der Steuerabzug senken Ihren Eigenanteil, decken aber nicht alles.

Prüfen Sie Kandidatinnen gründlich und halten Sie Absprachen schriftlich fest. Reicht die häusliche Lösung irgendwann nicht mehr, hilft der Vergleich von Pflegeheim oder 24-Stunden-Pflege bei der nächsten Entscheidung für die Pflege zu Hause.

Häufig gestellte Fragen

Darf ich eine polnische Betreuungskraft ohne Agentur beschäftigen?

Ja, polnische Pflegekräfte dürfen Sie als EU-Bürgerinnen ohne Arbeitserlaubnis direkt anstellen. Dann gelten deutsches Arbeitsrecht, Mindestlohn und die Pflicht zur Anmeldung bei der Sozialversicherung.

Brauche ich bei einer Direktanstellung eine A1-Bescheinigung?

Nein, bei einer Direktanstellung ist die Kraft in Deutschland sozialversichert, eine A1-Bescheinigung ist daher nicht nötig. Sie brauchen sie nur bei einer Entsendung oder bei einer im Ausland versicherten Selbstständigen.

Reicht ein Gewerbeschein als Nachweis echter Selbstständigkeit?

Nein, die Gewerbeanmeldung beweist keine echte Selbstständigkeit. Entscheidend ist, ob die Kraft weisungsfrei arbeitet und mehrere Auftraggeber hat. Bei Zweifeln schafft ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung Klarheit und schützt vor Scheinselbstständigkeit.

Kann ich eine im Haushalt lebende Betreuungskraft als Minijob anmelden?

Nein, das passt in der Praxis nicht. Bei den üblichen Arbeitsstunden einer Live-in-Kraft liegt der Mindestlohn schnell weit über der Minijob-Verdienstgrenze. Sie müssen die Kraft daher sozialversicherungspflichtig anmelden.

Kann ich Pflegegeld zur Bezahlung einer privat organisierten Betreuung nutzen?

Ja, Pflegegeld steht der pflegebedürftigen Person zur freien Verfügung und darf in den Lohn fließen. Je nach Pflegegrad sind das 2026 zwischen 347 und 990 Euro im Monat, was nur einen Teil der Kosten deckt.