Eine polnische Pflegekraft, die in Ihrem Haushalt in Deutschland arbeitet, hat Anspruch auf deutschen Mindestlohn. Das gilt auch, wenn sie über eine Firma aus Polen entsandt wird oder einen polnischen Arbeitsvertrag hat. Für Familien ist deshalb eine Frage entscheidend: Wie viele Stunden sind wirklich bezahlt, und passt der Monatspreis dazu?

Seit dem 1. Januar 2026 liegt die Untergrenze für eine Betreuungskraft aus Polen im Privathaushalt bei 13,90 Euro brutto pro Stunde (allgemeiner Mindestlohn). Der höhere Pflegemindestlohn von 16,52 bis 21,03 Euro gilt nur, wenn ein Pflegebetrieb wie ein ambulanter Pflegedienst Arbeitgeber ist. Jede Arbeitsstunde und jede Stunde Bereitschaft muss bezahlt werden.
Wer diese Regeln kennt, erkennt unseriöse Angebote schnell und plant die häusliche Betreuung auf einer sicheren Grundlage. Wenn Sie ein konkretes Angebot prüfen oder eine faire Lösung für Ihre Familie suchen, sprechen Sie uns gern an. Wir rechnen Ihren Bedarf mit Ihnen gemeinsam durch.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Privathaushalt gilt 2026 der allgemeine Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde.
- Bereitschaftszeiten zählen als Arbeitszeit und müssen bezahlt werden.
- Pflegegeld und Steuervorteile senken den Eigenanteil, ersetzen aber keinen fairen Lohn.
Welche gesetzlichen Lohnuntergrenzen gelten 2026?

In Deutschland gibt es 2026 zwei Lohnuntergrenzen: den allgemeinen Mindestlohn von 13,90 Euro und den Pflegemindestlohn, der seit Juli 2026 je nach Qualifikation zwischen 16,52 und 21,03 Euro liegt. Beide Beträge gelten brutto pro Stunde und für alle Arbeitnehmer, unabhängig von ihrer Herkunft.
Wie hoch ist der allgemeine Mindestlohn seit Januar 2026?
Der allgemeine Mindestlohn beträgt seit dem 1. Januar 2026 genau 13,90 Euro brutto pro Stunde. Im Jahr 2025 waren es noch 12,82 Euro. Zum 1. Januar 2027 steigt er laut Bundesarbeitsministerium auf 14,60 Euro brutto pro Zeitstunde.
Der Mindestlohn gilt für Vollzeit, Teilzeit und Minijobs. Er gilt auch für ausländische Beschäftigte, egal ob ihr Arbeitgeber in Deutschland oder in Polen sitzt. Die Höhe legt die Bundesregierung per Verordnung fest, auf Vorschlag der Mindestlohnkommission.
Welche Pflegemindestlöhne gelten je Qualifikationsstufe?
Der Pflegemindestlohn ist ein eigener Branchenlohn. Er ist nach drei Stufen gestaffelt und steigt 2027 erneut.
| Qualifikationsstufe | ab 01.07.2025 | ab 01.07.2026 | ab 01.07.2027 |
|---|---|---|---|
| Pflegehilfskräfte | 16,10 € | 16,52 € | 16,95 € |
| Qualifizierte Pflegehilfskräfte (mind. 1 Jahr Ausbildung) | 17,35 € | 17,80 € | 18,26 € |
| Pflegefachkräfte | 20,50 € | 21,03 € | 21,58 € |
Dazu kommen in der Altenpflege neun zusätzliche bezahlte Urlaubstage pro Jahr bei einer 5-Tage-Woche. Mehr Hintergrund zur Erhöhung des Mindestlohns in der Altenpflege finden Sie auch in unserem Blog.
Welche amtlichen Quellen bestätigen die aktuellen Beträge?
Die Bundesregierung hat die Pflegemindestlöhne mit der 7. Pflegearbeitsbedingungenverordnung umgesetzt. Diese Verordnung tritt am 1. Juli 2026 in Kraft und gilt bis 30. September 2028. Sie wurde am 6. März 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet.
Für den allgemeinen Mindestlohn ist das Mindestlohngesetz maßgeblich. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlicht die aktuellen Beträge. Die Kontrolle übernimmt der Zoll mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.
Wann gilt der allgemeine Mindestlohn und wann der Pflegemindestlohn?

Welcher Lohn gilt, hängt vom Arbeitgeber ab: Ist ein Privathaushalt oder eine Betreuungsfirma Arbeitgeber, gilt der allgemeine Mindestlohn. Ist ein Pflegebetrieb Arbeitgeber, gilt der Pflegemindestlohn. Die Aufgaben vor Ort spielen zusätzlich eine Rolle, weil sie bestimmen, wer welche Tätigkeit überhaupt übernehmen darf.
Warum Betreuung im Privathaushalt nicht automatisch unter den Pflegemindestlohn fällt
Der Pflegemindestlohn gilt für sogenannte Pflegebetriebe. Das sind Betriebe, die überwiegend ambulante, teilstationäre oder stationäre Pflegeleistungen erbringen. Ein Privathaushalt ist kein solcher Betrieb.
Deshalb gilt: Privathaushalte als Arbeitgeber sind kein Pflegebetrieb und fallen nicht unter den Pflegemindestlohn. Für die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft gilt dann der allgemeine Mindestlohn von 13,90 Euro.
Welche Bedeutung haben Arbeitgeber, Einsatzbetrieb und tatsächliche Aufgaben?
Prüfen Sie zuerst, wer im Vertrag als Arbeitgeber steht. Danach fragen Sie, welcher Betrieb die Leistung erbringt und was die Betreuungskraft im Haushalt konkret tut.
- Privathaushalt als Arbeitgeber: allgemeiner Mindestlohn.
- Polnische Betreuungsfirma, die entsendet: in der Regel allgemeiner Mindestlohn, solange sie kein Pflegebetrieb ist.
- Ambulanter Pflegedienst als Arbeitgeber: Pflegemindestlohn nach Qualifikation.
Eine Betreuungsfirma, die überwiegend Pflegeleistungen anbietet, kann selbst als Pflegebetrieb gelten. Fragen Sie daher nach, wie das Unternehmen seine Tätigkeit einordnet.
Wie unterscheiden sich Grundpflege, Alltagsbegleitung und medizinische Behandlungspflege?
Eine Betreuungskraft im Haushalt übernimmt vor allem Alltagsbegleitung: Einkaufen, Kochen, Haushalt, Gesellschaft und Spaziergänge. Hilfe bei der Grundpflege, etwa beim Waschen oder Anziehen, gehört oft dazu.
Die medizinische Behandlungspflege ist etwas anderes. Dazu zählen Spritzen, Wundversorgung oder das Richten von Medikamenten. Diese Aufgaben gehören zu Pflegefachkräften oder einem ambulanten Pflegedienst. Den Unterschied zwischen Haushaltshilfe und Pflegekraft sollten Sie im Vertrag klar festhalten.
Welche Arbeits- und Bereitschaftszeiten müssen bezahlt werden?
Bezahlt werden muss jede Stunde, in der die Betreuungskraft arbeitet oder sich auf Abruf bereithalten muss. Nur echte Freizeit, über die sie frei verfügen kann, bleibt unbezahlt. Deshalb ist eine 24-Stunden-Betreuung durch eine einzige Person rechtlich kaum dauerhaft möglich.
Was unterscheidet Arbeitszeit, Bereitschaftsdienst, Rufbereitschaft und Freizeit?
| Zeitform | Bedeutung | Mindestlohn? |
|---|---|---|
| Arbeitszeit | aktive Tätigkeit, z. B. Kochen, Begleiten | ja |
| Bereitschaftsdienst | Anwesenheit im Haushalt, sofort einsatzbereit | ja |
| Rufbereitschaft | erreichbar, freie Wahl des Aufenthalts | nur für tatsächliche Einsätze |
| Freizeit | keine Pflicht zur Verfügbarkeit | nein |
Entscheidend ist die Frage: Muss die Betreuungskraft im Haus bleiben und jederzeit reagieren? Wenn ja, ist das Bereitschaft und damit bezahlte Zeit.
Was bedeutet das BAG-Urteil für Betreuungskräfte im Haushalt?
Das Bundesarbeitsgericht hat am 24.06.2021 (5 AZR 505/20) entschieden, dass eine entsandte Betreuungskraft auch für Bereitschaftszeiten den Mindestlohn bekommt. Geklagt hatte eine Frau aus Bulgarien, die eine Seniorin in Berlin betreute.
Ihr Vertrag sah 30 Stunden pro Woche vor. Nach ihren Angaben war sie jeden Tag von sechs bis 23 Uhr im Einsatz und musste nachts die Tür offenlassen. Für Sie heißt das: Der Vertrag zählt weniger als die gelebte Praxis. Wer mehr Präsenz verlangt, muss mehr Stunden bezahlen.
Welche Pausen und Ruhezeiten gelten, und wann sind Ausnahmen zu prüfen?
Das Arbeitszeitgesetz setzt feste Grenzen:
- höchstens 8 Stunden pro Werktag, ausnahmsweise 10 Stunden, wenn der Durchschnitt von 8 Stunden in sechs Monaten erreicht wird,
- 30 Minuten Pause ab 6 Stunden, 45 Minuten ab 9 Stunden,
- mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit,
- Sonntagsruhe mit engen Ausnahmen.
Wird die Betreuungskraft nachts geweckt, wird die Ruhezeit unterbrochen. Ausnahmen für die Pflege sind eng gefasst und müssen im Einzelfall geprüft werden, am besten vor Vertragsbeginn.
Wie lassen sich nächtliche Hilfe und freie Zeiten realistisch organisieren?
Planen Sie feste Arbeitsblöcke und feste freie Stunden. Schreiben Sie diese in einen Wochenplan. In der freien Zeit übernehmen Angehörige, Nachbarn oder ein Pflegedienst.
Braucht Ihr Angehöriger regelmäßig nachts Hilfe, reicht eine Person nicht. Hilfreich sind dann ein Hausnotruf, ein Pflegedienst für Nachteinsätze oder eine zweite Kraft. Mehr zur Betreuung durch eine polnische Pflegekraft in der Nacht lesen Sie in unserem Ratgeber.
Welche Vergütungsbestandteile zählen zum Mindestlohn?
Zum Mindestlohn zählt nur Geld, das als Gegenleistung für die Arbeit fest gezahlt wird. Kost, Logis und gesetzlich vorgeschriebene Zuschläge gehören nicht dazu. Urlaub und Krankheit werden zusätzlich bezahlt.
Warum Kost, Logis und Auslagenersatz den Mindestlohn nicht ersetzen
Der Mindestlohn muss in Geld gezahlt werden. Sachleistungen wie Zimmer und Essen dürfen ihn nicht ersetzen. Eine Ausnahme gibt es nur in engen Grenzen bei Saisonarbeitskräften.
Auch Fahrtkosten oder Auslagen, die erstattet werden, zählen nicht zum Lohn. Sie gleichen nur Kosten aus. Will ein Arbeitgeber Kost und Logis gegen den Lohn verrechnen, muss der Betreuungskraft mindestens der unpfändbare Teil des Arbeitsentgelts netto bleiben.
Wann dürfen Zulagen und Sonderzahlungen berücksichtigt werden?
Zulagen für Sonntage, Feiertage oder Erschwernis dürfen angerechnet werden. Sie müssen eine Gegenleistung für die Arbeit sein. Nachtzuschläge nach dem Arbeitszeitgesetz zählen dagegen nicht, weil sie auf einer gesetzlichen Pflicht beruhen.
Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld zählen nur, wenn sie unwiderruflich gezahlt werden. Außerdem gelten sie nur für den Monat, in dem sie ausgezahlt werden. Ein Bonus im Dezember gleicht also keinen zu niedrigen Lohn im Juni aus.
Wie werden Urlaub und Krankheit vergütet?
Arbeitnehmer haben gesetzliche Urlaubsansprüche: mindestens 20 Tage bei einer 5-Tage-Woche. Im Urlaub wird der normale Lohn weitergezahlt, mindestens in Höhe des Mindestlohns.
Bei Krankheit zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen den Lohn weiter. Bei einer entsandten Kraft trägt das die polnische Firma. Im Arbeitgebermodell tragen Sie diese Kosten. Kleine Arbeitgeber können über die Umlage U1 einen Teil erstattet bekommen.
Wer trägt bei welchem Beschäftigungsmodell die Verantwortung?
Die Verantwortung liegt beim Arbeitgeber: im Entsendemodell bei der polnischen Firma, im Arbeitgebermodell bei Ihrer Familie. Bei einer angeblich selbstständigen Kraft tragen oft Sie das größte Risiko. Die Wahl des Modells bestimmt also, wer Lohn, Versicherung und Arbeitszeit sicherstellen muss.
Entsendemodell: Welche Pflichten hat der ausländische Arbeitgeber?
Im Entsendemodell ist die Betreuungskraft bei einer Firma in Polen angestellt. Diese Firma schickt sie für eine begrenzte Zeit zu Ihnen. Nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz gelten trotzdem deutsche Regeln:
- deutscher Mindestlohn für jede Stunde,
- deutsches Arbeitszeitgesetz mit Pausen und Ruhezeiten,
- bezahlter Urlaub,
- Sozialversicherung in Polen mit Nachweis.
Die Firma zahlt Lohn und Beiträge. Sie zahlen den vereinbarten Preis an die Firma oder an eine Vermittlung.
Was belegt die A1-Bescheinigung und was nicht?
Die A1-Bescheinigung zeigt, dass die Betreuungskraft während der Entsendung in Polen sozialversichert ist. Die polnische Behörde ZUS stellt sie aus. Bei Entsendungen bis zu 24 Monaten bleibt in der Regel polnisches Sozialrecht anwendbar.
Die A1-Bescheinigung beweist aber nicht, dass der Mindestlohn gezahlt wird. Sie sagt auch nichts über Arbeitszeiten, Qualifikation oder Sprachkenntnisse. Diese Punkte müssen Sie getrennt prüfen.
Arbeitgebermodell: Welche Aufgaben übernimmt die Familie?
Im Arbeitgebermodell stellen Sie die Betreuungskraft selbst ein. Dann haben Sie alle Pflichten eines Arbeitgebers:
- Arbeitsvertrag schriftlich abschließen.
- Betriebsnummer beantragen und die Kraft zur Sozialversicherung anmelden.
- Lohnabrechnung erstellen und Beiträge abführen.
- Arbeitszeiten erfassen und Ruhezeiten einhalten.
- Unfallversicherung über die Unfallkasse anmelden.
Wie das im Alltag funktioniert, zeigt unser Beitrag zum Thema Pflegekraft aus Polen privat anstellen.
Selbstständige Betreuung: Wann droht Scheinselbstständigkeit?
Eine selbstständige Pflegekraft muss frei über Zeit, Ort und Art ihrer Arbeit entscheiden. Im Haushalt ist das selten der Fall. Sie arbeitet meist zu festen Zeiten, nach Ihren Wünschen und nur für eine Familie.
Dann liegt oft Scheinselbstständigkeit vor. Die Folge können Nachzahlungen von Sozialbeiträgen sein, für die die Familie als Arbeitgeber haftet. Prüfen Sie dieses Modell bei einer selbständigen Betreuungskraft besonders sorgfältig, oder lassen Sie den Status vorab bei der Deutschen Rentenversicherung klären.
Welche Sozialversicherung und Arbeitserlaubnis sind erforderlich?
Polen ist EU-Mitglied. Polnische Bürger brauchen deshalb keine Arbeitserlaubnis für Deutschland.
| Modell | Sozialversicherung |
|---|---|
| Entsendung | in Polen, Nachweis per A1 |
| Arbeitgebermodell | in Deutschland: Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung |
| Echte Selbstständigkeit | Kraft versichert sich selbst |
Wie wird aus dem Stundenlohn der monatliche Betreuungspreis?
Der Monatspreis ergibt sich aus den bezahlten Stunden mal Stundenlohn, plus Arbeitgeberkosten und Leistungen der Vermittlung. Je mehr Stunden Anwesenheit Sie brauchen, desto höher liegt der Preis. Kost und Logis stellen Sie zusätzlich bereit.
Welche Kosten kommen zum Bruttolohn hinzu?
Zum Bruttolohn kommen mehrere Posten:
- Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers,
- Lohnfortzahlung bei Urlaub und Krankheit,
- Kosten für An- und Abreise,
- Organisation, Vertretung und Betreuung durch die Agentur,
- Unterkunft und Verpflegung im Haushalt.
Bei polnischen Pflegekräften in Deutschland im Entsendemodell stecken diese Kosten im Preis der Firma. Im Arbeitgebermodell zahlen Sie sie selbst.
Beispielrechnung: Vereinbarte Stunden, Arbeitgeberkosten und Vermittlungsleistungen
Ein Monat hat im Schnitt 4,33 Wochen. Daraus ergeben sich diese Bruttolöhne beim Mindestlohn von 13,90 Euro:
| Wochenstunden | Rechnung | Bruttolohn pro Monat |
|---|---|---|
| 30 | 30 × 13,90 × 4,33 | ca. 1.806 € |
| 40 | 40 × 13,90 × 4,33 | ca. 2.408 € |
| 48 | 48 × 13,90 × 4,33 | ca. 2.889 € |
Das ist nur der Lohn. Arbeitgeberbeiträge, Reisekosten und die Organisation kommen hinzu. Ein Angebot für eine Betreuungskraft aus Polen mit 40 bezahlten Stunden, das deutlich unter 2.408 Euro liegt, kann den Mindestlohn kaum einhalten. Eine Einordnung der Kosten der 24-Stunden-Betreuung hilft beim Vergleich.
Wie beeinflussen Deutschkenntnisse, Betreuungsbedarf und Nachteinsätze den Preis?
Gute Deutschkenntnisse erhöhen den Preis, weil diese Kräfte gefragter sind. Auch ein hoher Bedarf zählt: Demenz, Bettlägerigkeit oder viele Transfers bedeuten mehr Arbeit.
Nachteinsätze wirken am stärksten. Jede Stunde, in der die Kraft nachts bereit sein muss, ist bezahlte Zeit. Ein Angebot ohne höheren Preis bei Nachtbedarf rechnet diese Stunden nicht mit ein.
Warum echte Rund-um-die-Uhr-Arbeit eine andere Personalplanung erfordert
Eine Woche hat 168 Stunden. Eine Person darf im Schnitt höchstens 48 Stunden pro Woche arbeiten. Für eine echte Versorgung rund um die Uhr brauchen Sie also mehrere Personen im Wechsel.
In der Praxis heißt 24-Stunden-Betreuung deshalb: Die Kraft wohnt bei Ihnen, arbeitet aber zu festen Zeiten. Den Rest decken Familie, Pflegedienst oder Tagespflege ab.
Welche Leistungen können den Eigenanteil der Familie senken?
Pflegegeld und Steuervorteile senken Ihren Eigenanteil spürbar, andere Leistungen nur unter Bedingungen. Wichtig ist, laufende Hilfen von einmaligen oder zweckgebundenen Beträgen zu trennen.
Wie lässt sich Pflegegeld für die häusliche Betreuung einsetzen?
Pflegegeld bekommen Sie ab Pflegegrad 2 von der Pflegekasse. Sie können es frei verwenden, also auch für die Betreuungskraft. Bei Pflegegrad 3 sind es 599 Euro im Monat.
Bei Pflegegeld müssen Sie regelmäßig einen Beratungsbesuch nachweisen. Welche Leistungen sonst greifen, erklärt unser Artikel dazu, was die Pflegekasse für eine polnische Pflegekraft übernimmt.
Wann kommen Verhinderungspflege und der gemeinsame Jahresbetrag infrage?
Verhinderungspflege zahlt die Pflegekasse, wenn die Hauptpflegeperson verhindert ist. Seit Juli 2025 gibt es einen gemeinsamen Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von 3.539 Euro.
Die Betreuungskraft kann als Ersatz einspringen, etwa wenn Angehörige im Urlaub sind. Voraussetzung ist, dass bisher eine Pflegeperson die Pflege übernommen hat. Für die laufende Betreuung ist dieses Geld nicht gedacht.
Welche Grenzen gelten für Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel?
Der Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat ist an anerkannte Angebote gebunden. Eine Betreuung im Entsendemodell ist meist nicht nach Landesrecht anerkannt. Dann können Sie das Geld zum Beispiel für einen Pflegedienst oder eine Haushaltshilfe nutzen.
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, etwa Handschuhe oder Desinfektion, zahlt die Pflegekasse bis 42 Euro im Monat. Sie entlasten den Haushalt, aber nicht den Lohn.
Wie wirken haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich?
Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen senken Ihre Steuer. Nach § 35a EStG ziehen Sie 20 Prozent der Kosten direkt von der Steuer ab, höchstens 4.000 Euro im Jahr.
Voraussetzung: eine Rechnung und eine Überweisung. Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an. Ziehen Sie Leistungen der Pflegekasse vorher von den Kosten ab.
Beispiel mit Pflegegrad 3: Laufende Kosten und bedingte Entlastungen trennen
Angenommen, Ihr Angebot kostet 3.000 Euro im Monat.
| Posten | Betrag pro Monat |
|---|---|
| Betreuungspreis | 3.000 € |
| Pflegegeld Pflegegrad 3 | − 599 € |
| Eigenanteil laufend | 2.401 € |
| Steuervorteil (max. 4.000 € / 12) | bis ca. − 333 € |
Den Steuervorteil erhalten Sie erst mit dem Steuerbescheid. Verhinderungspflege kommt nur in Zeiten der Verhinderung dazu. Rechnen Sie Ihren Monat deshalb mit dem laufenden Eigenanteil.
Wie prüfen Familien ein Angebot vor Vertragsabschluss?
Ein seriöses Angebot nennt bezahlte Stunden, Aufgaben, Arbeitgeber und Nachweise schriftlich. Fehlen diese Angaben, sollten Sie nachfragen oder ablehnen. So schützen Sie sich vor Haftung und Nachzahlungen.
Welche Angaben zu Aufgaben, Arbeitsstunden und Vertretung gehören in den Vertrag?
Achten Sie auf diese Punkte:
- Wer ist Arbeitgeber, mit Name und Sitz?
- Wie viele Stunden pro Woche sind bezahlt?
- Welche freien Zeiten und freien Tage gibt es?
- Welche Aufgaben übernimmt die Kraft, welche der Pflegedienst?
- Wer kommt bei Krankheit oder Urlaub als Vertretung?
- Wie lang ist die Kündigungsfrist?
Eine schriftliche Aufgabenliste verhindert Streit über die Rolle der Betreuungskraft im Haushalt.
Welche Beschäftigungs- und Versicherungsnachweise sollten vorliegen?
Lassen Sie sich vor Beginn diese Unterlagen zeigen:
- A1-Bescheinigung bei Entsendung, als Kopie für Ihre Akte.
- Arbeitsvertrag oder Entsendungsvertrag mit Stundenangabe.
- Bestätigung, dass der deutsche Mindestlohn gezahlt wird.
- Im Arbeitgebermodell: Anmeldung zur Sozialversicherung und Unfallkasse.
Welche weiteren Voraussetzungen für eine polnische Pflegekraft gelten, sollten Sie ebenfalls klären.
Was sagen DIN SPEC 33454, Qualifikationen und Sprachnachweise tatsächlich aus?
Die DIN SPEC 33454 beschreibt Anforderungen an die Vermittlung und Betreuung durch Betreuungskräfte aus dem Ausland. Sie ist freiwillig. Ein Hinweis darauf zeigt, dass sich eine Agentur an Standards orientiert, ersetzt aber keine Prüfung des Lohns.
Ein Sprachnachweis, etwa auf Niveau A2 oder B1, zeigt das Deutsch zum Zeitpunkt der Prüfung. Fragen Sie nach einem kurzen Telefonat vorab. Pflegekurse sind hilfreich, machen eine Betreuungskraft aber nicht zur Pflegefachkraft.
Welche Warnsignale sprechen für Unterbezahlung oder Schwarzarbeit?
- Preis liegt unter dem rechnerischen Mindestlohn für die Anwesenheit.
- „24 Stunden“ ohne Angabe bezahlter Stunden.
- Keine A1-Bescheinigung oder nur Ausreden.
- Barzahlung ohne Rechnung.
- „Selbstständige“ Kraft mit festen Vorgaben.
Kontrollen führt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls durch. Berichte aus der Praxis zu schlechten Erfahrungen mit 24-Stunden-Pflege zeigen, dass fast immer einer dieser Punkte fehlt.
Faire Löhne und klare Verträge machen Betreuung planbar
Für eine polnische Betreuungskraft im Privathaushalt gilt 2026 der allgemeine Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Ab 2027 sind es 14,60 Euro. Der Pflegemindestlohn greift nur, wenn ein Pflegebetrieb Arbeitgeber ist.
Bezahlt wird jede Arbeitsstunde und jede Stunde Bereitschaft. Kost und Logis zählen nicht zum Lohn. Eine Person allein kann eine Versorgung rund um die Uhr nicht legal abdecken.
Für Ihre Planung bedeutet das:
- Vereinbaren Sie feste bezahlte Stunden und feste freie Zeiten.
- Lassen Sie sich A1-Bescheinigung und Lohnzusage vorlegen.
- Rechnen Sie den Preis mit Stunden mal 13,90 Euro nach.
- Ziehen Sie Pflegegeld und Steuervorteil von den laufenden Kosten ab.
Mit diesen Schritten wird die häusliche Betreuung für Sie berechenbar. Die Betreuungskraft arbeitet unter fairen Bedingungen und bleibt länger. Wir bei Pflegekräfte aus Polen setzen auf genau diese klaren Absprachen.
Häufig gestellte Fragen
Gilt der deutsche Mindestlohn auch bei einem polnischen Arbeitsvertrag?
Ja, der deutsche Mindestlohn gilt für jede Arbeit in Deutschland. Es spielt keine Rolle, ob der Arbeitgeber in Polen oder Deutschland sitzt. Der polnische Vertrag darf nicht unter 13,90 Euro pro Stunde liegen.
Muss jede Stunde Anwesenheit im Haushalt bezahlt werden?
Jede Stunde, in der die polnische Pflegekraft arbeitet oder einsatzbereit sein muss, ist zu bezahlen. Echte Freizeit, in der sie frei über ihre Zeit verfügt, bleibt unbezahlt. Deshalb sollten freie Zeiten schriftlich festgelegt sein.
Gilt der Pflegemindestlohn schon bei Hilfe beim Waschen und Anziehen?
Nein, die Tätigkeit allein entscheidet nicht. Der Pflegemindestlohn gilt nur, wenn ein Pflegebetrieb Arbeitgeber ist. Im Privathaushalt gilt auch bei Hilfe bei der Grundpflege der allgemeine Mindestlohn.
Dürfen Unterkunft und Verpflegung vom Mindestlohn abgezogen werden?
Nein, der Mindestlohn muss in Geld gezahlt werden. Eine Verrechnung ist nur in engen Grenzen möglich, und der unpfändbare Teil des Lohns muss bleiben. Kost und Logis sind in der Regel eine zusätzliche Leistung der Familie.
Wer haftet bei einer Vermittlung für nicht gezahlten Mindestlohn?
In erster Linie haftet der Arbeitgeber, also die entsendende Firma. Bei Scheinselbstständigkeit gilt die Familie oft selbst als Arbeitgeber und haftet für Beiträge. Prüfen Sie deshalb Vertrag und Nachweise vor dem Start.
Was passiert mit dem Betreuungspreis, wenn der Mindestlohn steigt?
Der Preis steigt meist mit, weil der Lohn der größte Kostenposten ist. Zum 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro. Bei 40 Wochenstunden sind das rund 121 Euro mehr Bruttolohn pro Monat.